Mittleres Management – Probleme & Tipps

Welche Maßnahmen nun wichtig sind

„Herr Langer ich befinde mich im ständigen Spagat. Von der Konzernleitung bekomme ich Vorgaben, die ich mit den Teams umsetzen soll. Der Sinn ist mir oft nicht nachvollziehbar, da ich nicht weiß, welche Strategie verfolgt wird. Aus Loyalität setze ich das Geforderte natürlich um, kann aber meinen Mitarbeitern die wirklichen Gründe der Maßnahmen oft nicht erklären.”

So berichtete mir eine Führungskraft des mittleren Managements in einem Coaching.

Viele Branchen befinden sich in einem radikalen Umbruch. Strategien und Visionen werden im Topmanagement entwickelt. Ob diese ausreichen, wird sich zeigen. Wer kann schon genau sagen, wie sich das Kaufverhalten der Menschen nach Corona verändert oder was passiert, wenn wegen der Mutationen der Lockdown verlängert wird? Führungskräfte im mittleren Management müssen die Maßnahmen verkaufen, werden aber oftmals vom Topmanagement nicht mitgenommen. Aber gerade hier wäre es wichtig, diese Führungskräfte in Hintergründe einzubinden, damit sie mit der Basis überzeugt die Maßnahmen umsetzen können. Allerdings glaube ich, dass auf die Unternehmen und die Führungskräfte noch ganz andere Herausforderungen warten. Bei den Mitarbeitern gibt es eine hohe Verunsicherung.

Wie lange hält die Kurzarbeit noch an? Wie lange kann ich die Lohneinbußen noch kompensieren? Wie geht es im Unternehmen nach der Kurzarbeit weiter?

Wie wird diesem Strukturwandel und den Ängsten der Mitarbeiter begegnet? Schon im normalen Alltag gibt es zu wenig Kommunikation zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern. In Zeiten von Home-Office und Kurzarbeit hat diese nochmal radikal abgenommen. Das führt dazu, dass die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen sich immer weiter reduziert.  Für Mitarbeiter, die zu Hause oder im Home-Office sitzen, sind  Austausch und Unternehmenskommunikation im Moment kaum noch wahrnehmbar. Je länger die Corona Pandemie anhält, umso stärker sinkt das Wir-Gefühl der Beschäftigten. Hier müssen dringend geeignete Maßnahmen getroffen werden, um den Zusammenhalt und den sozialen Frieden für die Zukunft sicherzustellen. Sollte hier nichts passieren, werden die Herausforderungen in den nächsten Monaten durch den neu auftretenden Fragen für die Unternehmen noch größer. An welche Herausforderungen und Fragen denke ich da? 

Warum dürfen bestimmte Mitarbeiter schon wieder voll arbeiten, während andere mit finanziellen Einbußen noch zu Hause sitzen? Ist es gerecht, dass der Produktionsarbeiter jeden Tag im Unternehmen sein muss, während der Büroangestellte im Home-Office ist? Wie verändert sich die Identifikation, wenn der Angestellte keinen festen Schreibtisch mehr hat, auf dem sein persönliche Kleinigkeiten, sein Kalender, seine Familienbilder etc. stehen? 

Unternehmen brauchen engagierte Mitarbeiter, die mit ihm die kurz-, mittel- und langfristige Unternehmensentwicklung gestalten. Dieses Engagement braucht den Nährboden der Verbundenheit zwischen Mitarbeitern und Unternehmen. In den letzten Monaten sind große Teile dieses Bodens verödet. Es ist an der Zeit, dass Unternehmensinhaber und Topmanager ihre mittlere Führungsebene mitnehmen, dass diese keinen Spagat mehr zu vollführen brauchen, sondern mit Offenheit menschliches Vertrauen und Verständnis schaffen und damit den Boden bereiten, auch wenn die Zukunft ungewiss ist.

Homeschooling in Corona-Zeiten

Was Unternehmen daraus lernen können

Gestern Nachmittag, auf dem Rückweg vom Mandanten. Ich fahre durch die verschneite Winterlandschaft, das Telefon klingelt – ein Geschäftspartner. Wir Unterhalten uns über Themen, die uns gerade bewegen, er hat zwei Kinder, aktuell beide zu Hause im Homeschooling. Der kleine Grundschüler zweite Klasse, die große 13 Jahre in der siebten Klasse. Er ist froh, gerade nicht aktiv im Mandat unterwegs zu sein.

Ich lauschte ihm gespannt: „Ich bin froh, dass ich mich um die Kinder kümmern kann. Das ist wichtig, denn ich schaue, dass sie regelmäßig zwischen den Unterrichtseinheiten an die frische Luft kommen. Bewegung ist wichtig, wenn sie den ganzen Tag am Computer sitzen. Außerdem braucht das Gehirn Wasser und wenn die Kinder den ganzen Tag am Computer sitzen, müssen sie regelmäßig trinken. Und nicht zuletzt ist Obst wichtig, Vitamine und leichte Kost, dass das ganze Blut nicht in den Magen geht und im Kopf bleibt.“ Wie gut wir doch bei unseren Kindern Bescheid wissen. Wie lange sitzt du am Computer, ohne dich zu bewegen oder gar nach draußen zu gehen – wenn ich gerade zu einer Raucherpause. Was trinkst du auf Arbeit? Kaffee? Oder braucht auch dein Körper und Gehirn Wasser? Eine Kaffeemaschine steht wohl in jeder Firma, aber wie ist es mit Wasser für die Mitarbeiter? Ein paar Euro, die kein Betriebsergebnis verschlechtern, aber aktiver Gesundheitsschutz sind.

Was steht in deiner Firma an der Anmeldung auf dem Tresen? Bonbons, Süßkram oder ein Schale mit Äpfeln? Ich war vergangenen Sommer in einem Chemieunternehmen in Frankfurt, da standen in der Küche für alle Mitarbeiter Erdbeeren. Ich fand eine schöne Wertschätzung für seine Mitarbeiter. Im Moment sind die meisten Büroangestellten von uns im Homeoffice.
Sorge nicht nur für deine Kinder mache zwischen den vielen Videokonferenzen einen Moment Pause, nehme dir Zeit für ein Glas Wasser, einen Apfel und ein paar Schritte, egal ob bei Regen oder in der Sonne an der frischen Luft.

Wie ich diese Zeilen schreibe, überlege ich mir, wie ich mit mir umgehe.
Wenn du diese Zeilen liest, frage auch du dich, wie du mit dir um gehst.
Sei gut mit dir! Dein Körper, deine Seele, aber auch deine Kinder werden es dir danken.