Mittleres Management – Probleme & Tipps

Welche Maßnahmen nun wichtig sind

„Herr Langer ich befinde mich im ständigen Spagat. Von der Konzernleitung bekomme ich Vorgaben, die ich mit den Teams umsetzen soll. Der Sinn ist mir oft nicht nachvollziehbar, da ich nicht weiß, welche Strategie verfolgt wird. Aus Loyalität setze ich das Geforderte natürlich um, kann aber meinen Mitarbeitern die wirklichen Gründe der Maßnahmen oft nicht erklären.”

So berichtete mir eine Führungskraft des mittleren Managements in einem Coaching.

Viele Branchen befinden sich in einem radikalen Umbruch. Strategien und Visionen werden im Topmanagement entwickelt. Ob diese ausreichen, wird sich zeigen. Wer kann schon genau sagen, wie sich das Kaufverhalten der Menschen nach Corona verändert oder was passiert, wenn wegen der Mutationen der Lockdown verlängert wird? Führungskräfte im mittleren Management müssen die Maßnahmen verkaufen, werden aber oftmals vom Topmanagement nicht mitgenommen. Aber gerade hier wäre es wichtig, diese Führungskräfte in Hintergründe einzubinden, damit sie mit der Basis überzeugt die Maßnahmen umsetzen können. Allerdings glaube ich, dass auf die Unternehmen und die Führungskräfte noch ganz andere Herausforderungen warten. Bei den Mitarbeitern gibt es eine hohe Verunsicherung.

Wie lange hält die Kurzarbeit noch an? Wie lange kann ich die Lohneinbußen noch kompensieren? Wie geht es im Unternehmen nach der Kurzarbeit weiter?

Wie wird diesem Strukturwandel und den Ängsten der Mitarbeiter begegnet? Schon im normalen Alltag gibt es zu wenig Kommunikation zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern. In Zeiten von Home-Office und Kurzarbeit hat diese nochmal radikal abgenommen. Das führt dazu, dass die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen sich immer weiter reduziert.  Für Mitarbeiter, die zu Hause oder im Home-Office sitzen, sind  Austausch und Unternehmenskommunikation im Moment kaum noch wahrnehmbar. Je länger die Corona Pandemie anhält, umso stärker sinkt das Wir-Gefühl der Beschäftigten. Hier müssen dringend geeignete Maßnahmen getroffen werden, um den Zusammenhalt und den sozialen Frieden für die Zukunft sicherzustellen. Sollte hier nichts passieren, werden die Herausforderungen in den nächsten Monaten durch den neu auftretenden Fragen für die Unternehmen noch größer. An welche Herausforderungen und Fragen denke ich da? 

Warum dürfen bestimmte Mitarbeiter schon wieder voll arbeiten, während andere mit finanziellen Einbußen noch zu Hause sitzen? Ist es gerecht, dass der Produktionsarbeiter jeden Tag im Unternehmen sein muss, während der Büroangestellte im Home-Office ist? Wie verändert sich die Identifikation, wenn der Angestellte keinen festen Schreibtisch mehr hat, auf dem sein persönliche Kleinigkeiten, sein Kalender, seine Familienbilder etc. stehen? 

Unternehmen brauchen engagierte Mitarbeiter, die mit ihm die kurz-, mittel- und langfristige Unternehmensentwicklung gestalten. Dieses Engagement braucht den Nährboden der Verbundenheit zwischen Mitarbeitern und Unternehmen. In den letzten Monaten sind große Teile dieses Bodens verödet. Es ist an der Zeit, dass Unternehmensinhaber und Topmanager ihre mittlere Führungsebene mitnehmen, dass diese keinen Spagat mehr zu vollführen brauchen, sondern mit Offenheit menschliches Vertrauen und Verständnis schaffen und damit den Boden bereiten, auch wenn die Zukunft ungewiss ist.

Beamtentum in Deutschland

Ist es noch zeitgemäß?

So langsam geht die Pleitewelle in Deutschland los. Als eines der Ersten trifft es wohl einige Autohäuser. Eine Branche, die durch viele mittelständische Familienunternehmen geprägt ist. In Hessen gibt es ein Autohaus, das im Dezember 2020 über 300 Flottenfahrzeuge nicht verkaufen konnte. Das Problem ist aber nicht das mangelnde Interesse der Kunden, sondern die fehlende Möglichkeit, Autos zuzulassen. Die aktuelle Zulassungspraxis gefährdet zahlreiche Existenzen nicht nur im Handel, sondern in der gesamten Lieferkette!

Während zahlreiche Menschen versuchen, – in medizinischen Einrichtungen, im Lebensmitteleinzelhandel, in Produktionsbetrieben oder …. – das Leben und die Wirtschaft aufrecht zu erhalten, sind zahlreiche Beamte im Homeoffice. Im Homeoffice kann man ganz schlecht Fahrzeuge zulassen. Ich hatte das Verständnis, dass es auch ein Beamtentum gibt, um in Krisen- und Notsituationen das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten. Ein Fehlglaube? Wozu brauchen wir Beamte in diesem Land?

Aber es gibt auch immer noch Unternehmer in diesem Land! Zum Beispiel die Inhaber des hessischen Autohauses, diese bemühen sich nun beim Kraftfahrt-Bundesamt um die Genehmigung selbst Fahrzeuge zuzulassen. Um so wieder Fahrzeuge verkaufen zu können und Arbeitsplätze zu sichern. Das nenne ich Verantwortung für Mitarbeiter und deren Familien. Ein treffendes Beispiel, um erneut zu hinterfragen, ist das Beamtentum ein Zukunftsmodell für dieses Land?

Homeschooling in Corona-Zeiten

Was Unternehmen daraus lernen können

Gestern Nachmittag, auf dem Rückweg vom Mandanten. Ich fahre durch die verschneite Winterlandschaft, das Telefon klingelt – ein Geschäftspartner. Wir Unterhalten uns über Themen, die uns gerade bewegen, er hat zwei Kinder, aktuell beide zu Hause im Homeschooling. Der kleine Grundschüler zweite Klasse, die große 13 Jahre in der siebten Klasse. Er ist froh, gerade nicht aktiv im Mandat unterwegs zu sein.

Ich lauschte ihm gespannt: „Ich bin froh, dass ich mich um die Kinder kümmern kann. Das ist wichtig, denn ich schaue, dass sie regelmäßig zwischen den Unterrichtseinheiten an die frische Luft kommen. Bewegung ist wichtig, wenn sie den ganzen Tag am Computer sitzen. Außerdem braucht das Gehirn Wasser und wenn die Kinder den ganzen Tag am Computer sitzen, müssen sie regelmäßig trinken. Und nicht zuletzt ist Obst wichtig, Vitamine und leichte Kost, dass das ganze Blut nicht in den Magen geht und im Kopf bleibt.“ Wie gut wir doch bei unseren Kindern Bescheid wissen. Wie lange sitzt du am Computer, ohne dich zu bewegen oder gar nach draußen zu gehen – wenn ich gerade zu einer Raucherpause. Was trinkst du auf Arbeit? Kaffee? Oder braucht auch dein Körper und Gehirn Wasser? Eine Kaffeemaschine steht wohl in jeder Firma, aber wie ist es mit Wasser für die Mitarbeiter? Ein paar Euro, die kein Betriebsergebnis verschlechtern, aber aktiver Gesundheitsschutz sind.

Was steht in deiner Firma an der Anmeldung auf dem Tresen? Bonbons, Süßkram oder ein Schale mit Äpfeln? Ich war vergangenen Sommer in einem Chemieunternehmen in Frankfurt, da standen in der Küche für alle Mitarbeiter Erdbeeren. Ich fand eine schöne Wertschätzung für seine Mitarbeiter. Im Moment sind die meisten Büroangestellten von uns im Homeoffice.
Sorge nicht nur für deine Kinder mache zwischen den vielen Videokonferenzen einen Moment Pause, nehme dir Zeit für ein Glas Wasser, einen Apfel und ein paar Schritte, egal ob bei Regen oder in der Sonne an der frischen Luft.

Wie ich diese Zeilen schreibe, überlege ich mir, wie ich mit mir umgehe.
Wenn du diese Zeilen liest, frage auch du dich, wie du mit dir um gehst.
Sei gut mit dir! Dein Körper, deine Seele, aber auch deine Kinder werden es dir danken.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Was wir in Corona-Zeiten beachten müssen

Ich erinnere mich noch gut an den 12. Januar 2016 – heute vor 5 Jahren. Meiningen/Thüringen der letzte Tag – der Tag der Abstimmung über den Insolvenzplan – meiner ersten Insolvenz in Eigenverwaltung. Auf der einen Seite Herr Köllmer, ein Elektrounternehmer mit Kampfgeist, ein Mensch, der durch das Tal der Tränen gegangen war, um sein Unternehmen zurückzugewinnen und mit seinen Mitarbeitern in die Zukunft zu gehen. Auf der anderen Seite ein Sachwalter aus Erfurt von der Kanzlei Schultze und Braun, dessen Ziel wohl nicht die Fortführung des Unternehmens durch Herr Köllmer war.

Das Ergebnis war denkbar knapp, der Insolvenzplan wurde bestätigt. Sodass die volkswirtschaftliche Vernunft obsiegte. Auch nach fünf Jahren telefoniere ich mit dem Unternehmer regelmäßig. Zum einen legt er noch immer Wert auf meinen Rat, zum anderen ist er ein wichtiger Bestandteil meines kompetenten Netzwerkes. In den letzten Tagen diskutiere ich oft mit Kollegen, was sind die richtigen Sanierungselemente für Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage am Ende des zweiten Lockdown? Hier ist die Insolvenz in Eigenverwaltung gewiss ein sinnvolles Instrument.

Viele Geschäftsführer durch Corona-Krise gebeutelter Unternehmen wiegen sich in Sicherheit aufgrund der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht. Verkennen allerdings, dass diese nur für Überschuldung und nicht für Zahlungsunfähigkeit gilt. Hier ist es für meine Kollegen und mich Aufklärungsarbeit zu leisten, um Haftungsrisiken zu minimieren und frühzeitig sinnvolle Sanierungsschritte einzuleiten.

Weg 2021

Neue Chancen für Wachstum nutzen

Laufe ich den Weg links wie jedes Mal oder nach rechts einen Neuen, von mir noch nicht betretenen Pfad? Das neue Jahr starten viele mit guten Vorsätzen. Ich habe mir in diesem fast keine gesetzt. Außer, dass ich den Weg meiner Entwicklung noch ein Stück bewusster für mich und meine Kunden gehen will.

Wenn wir das Thema Entwicklung im darwinschen Sinne betrachten, heißt Entwicklung, die Anpassung an die Lebensumstände und das Lebensumfeld. D.h. aber nur auf Umstände zu reagieren und nicht zu agieren. Das ist auch das, was ich in ganz vielen Unternehmen immer wieder erlebe. Es wird auf Situationen ausschließlich reagiert und somit nicht gestaltet. Ist das wirklich Entwicklung oder ist das nur Anpassung im Rahmen der gewohnten Sicherheit?

Auch unser Gehirn kann nur durch neue Herausforderungen, Verlassen der vorhandenen Pfade neue Synapsen bilden und so seine neuronale Plastizität nutzen. Ich wünsche dir und mir für 2021 den Mut, auch mal die gewohnte Sicherheit zu verlassen, um neue Wege zu gehen, die zu wirklichen Wachstum führen werden.

Falsche Erwartungen

Wie sie entstehen

Ich habe gestern Abend noch eine Nachricht an jemanden geschrieben. Heute Morgen der Blick aufs Handy – noch keine Antwort. Ich hatte die Erwartung, dass sie auf meine Nachricht antwortet. Wie oft haben wir Erwartungen an andere? Und sind nicht gerade die anstehenden Festtage von Erwartungen geprägt. Die Kinder erwarten, dass der Weihnachtsmann oder das Christkind kommt. Eltern erwarten, dass ihre Kinder zu Besuch kommen. Die Familie erwartet, dass der Partner jeden Tag etwas kocht. Das bringt mich zum nachdenken über meine täglichen Erwartungen an mein Umfeld. Wenn diese Erwartungen im Stillen erfolgen, erzeugen diese einen inneren Druck und eine Enttäuschung, wenn diese nicht erfüllt werden. Manchmal Selbstzweifel – warum tut der andere das nicht?

Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich es nicht wert? Wenn ich meine Erwartungen zum Ausdruck bringen, greife ich in das Leben der anderen massiv ein. Gewiss hat das gegenüber die Entscheidungsfreiheit meinen Erwartungen nachzukommen oder nicht. Aber wie oft möchte ich meinem Gegenüber nicht wehtun und entspreche seinen Erwartungen, auch wenn es mir selbst nicht guttut. Dies erlebe ich auch immer wieder in der Unternehmensnachfolge von Familienunternehmen. Die Tochter, der Sohn schaffen es nicht, gegenüber ihren Eltern Nein zu sagen oder von ihnen ein Nein zu ertragen.

Die Folge ist oft, dass sie im Unternehmen eine Stelle ausüben, die nicht ihrem Herzenswunsch ihrer Seelenaufgabe entsprechen und so zwar auf der rationalen Ebene funktionieren, aber darüber unglücklich und seelisch krank werden. Das ist in der Regel auch nicht der Wunsch der Eltern, aber das passiert ganz oft in der Nachfolgemaschinerie. In den nächsten Tagen kommt die Familie zusammen, lasst uns einen Moment innehalten, in uns hören, was wir für Erwartungen an den anderen haben und ob diese wirklich notwendig sind?

Kommunikation in Zeiten von Corona

Herausforderungen für Unternehmen

Was passiert gerade mit der Kommunikation in diesem Lande? In den letzten Wochen hat die Regierung Entscheidungen getroffen, ohne das Parlament zu integrieren. Am Mittwoch ging ein neues Gesetz durch das Parlament, das grundlegend ins Grundgesetz eingreift. Wo ist hier die notwendige öffentliche Debatte? Zerstört die Angst vor einer Krankheit und die Folgen daraus die Kommunikation in unserem Lande?

Vor einigen Wochen hatte ich ein Gespräch beim Abendessen mit einer Studentin. Sie hält es für eine Zumutung, dass sie nun wieder zur Vorlesung gehen solle. In einem Hörsaal, mit anderen Studenten. Sie habe sich schon so an das Online-Semester gewöhnt, dass sie auf Präsenzveranstaltungen und die „Gefahren“, die von diesen ausgehen, keine Lust mehr habe. Mein Einwand, dass der reale Austausch, das Diskutieren und Streiten über Themen doch das Studieren ausmache, konnte sie nicht nachvollziehen.

In vielen Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die nunmehr seit über einem halben Jahr im Homeoffice tätig sind. Für sie ist die Video-Konversation zum Standard geworden. Wir wissen, dass wir die Videokamera ansehen müssen, dass sich die Person auf dem anderen Bildschirm angesehen fühlt. Damit schauen wir auf einen roten Punkt am Computer und nicht mehr unserem Gegenüber in die Augen.

Wobei doch genau dieser Blickkontakt ein grundlegendes Element der gemeinsamen Kommunikation ist. In der Kommunikation spielt nicht nur die sprachliche Verständigung eine wesentliche Rolle, sondern es sind vielmehr die averbalen Signale, die die Botschaft beim Empfänger ankommen lassen. Diese gehen leider in der online Kommunikation völlig verloren.

Verantwortung für Führungskräfte steigt

Die Schließung der Restaurants und die Kontaktbeschränkungen haben seit Anfang November 2020 neben der beruflichen kommunikativen Interaktion auch die private über weite Teile der Gesellschaft gelähmt. Vorsicht mag gewiss richtig sein, wir dürfen jedoch nicht vergessen, der Mensch ist ein soziales Wesen und Isolation führt zur Vereinsamung und Krankheit. Wenn ich heute sehe, dass Enkelkinder mit ihren Großeltern über das Fenster oder über den Balkon sprechen, erinnere ich mich an meine Kindertage, als im Zoo der einsame Tiger in seinem kleinen Käfig den Gitterstäben entlang immer wieder von rechts nach links lief.

Es ist an uns, als Führungskräfte und verantwortungsvollen Mitarbeitern, die Bedeutung der Kommunikation und des realen Austauschs zurück in den beruflichen Alltag zu holen. Kollegen, Mitarbeiter, Teams und unsere Unternehmen können sich nur weiter entwickeln, wenn Menschen miteinander in den Austausch gehen, auf bestimmten Ebenen schwingen und so kreative Ideen entstehen dürfen. Somit haben wir vielleicht wieder einen Grundstein gelegt, dass der Einzelne zurück in die Kommunikation in seiner Familie, mit seinem Nachbarn, seinen Freunden oder den Menschen auf der Straße kommt.

Innere Kündigung

Ursachen & Gegenmaßnahmen

5,4 Millionen Deutsche verschenken jeden Tag acht Stunden ihrer Lebenszeit. Wie das?,  werden Sie sich fragen.

15 % der deutschen Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt, dies entspricht 5,4 Millionen Menschen. Wer innerlich gekündigt hat, geht schon lange nicht mehr mit Freude zur Arbeit und verschenkt somit erfüllende Lebenszeit. Er verlässt am Morgen das Haus, um Geld heranzuschaffen und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. So gibt es zwei Verlierer: das Unternehmen und den Mitarbeiter. Welches Unternehmen kann es sich leisten, dass seine Mitarbeiter gefrustet und wenig motiviert auf Arbeit kommen? Leider wird hierzulande Arbeit immer häufiger als Quelle von Frustration als von Erfüllung wahrgenommen. Menschen, die innerlich kündigen, sind oft einen langen demotivierenden Weg gemeinsam mit und durch das Unternehmen gegangen.

Wie konnte es dazu kommen? Menschen entscheiden sich aus unterschiedlichsten Gründen für einen Unternehmen und treten in dies hoch motiviert ein. Aus motivierten Mitarbeitern werden Verweigerer, wenn sie in einem Umfeld tätig sind, in dem ihre zentralen Bedürfnisse über lange Zeiträume ignoriert werden. Hier geht es in erster Linie nicht um Materielles, sondern um Themen wie Wirksamkeit, Anerkennung, Wertschätzung. Die Erfahrung der Wirksamkeit des eigenen Handelns, der Erfolg und die hieraus erwachsenden Anerkennung durch den Vorgesetzten tragen grundlegend zum Sinnerlerben bei. Dieses Sinnerleben ist Grundlage der intrinsischen Motivation. Geht diese verloren, wird aus dem motivierten Mitarbeiter jemand, der Dienst nach Vorschrift macht. Wird er auch in Zukunft allein gelassen und nicht gesehen, erfolgen irgendwann die innere Kündigung und der Verlust von Zugehörigkeit.

In den vergangen Jahrhunderten war die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Stamm überlebenswichtig. Diese Notwendigkeit hat sich in unserem Unterbewusstsein verankert. Im heutigen Arbeitskontext fühlen sich Menschen zugehörig, wenn ihnen zugehört wird. Hierin besteht die große Herausforderung für Führungskräfte, aber auch für jeden Einzelnen, dem ein positives Miteinander am Herzen liegt. Die Art der Kommunikation jedes Einzelnen mit seinen Kollegen beeinflusst grundlegend das Betriebsklima.

Herausforderung für Führungskräfte

Besondere Verantwortung kommt hierbei jedoch den Führungskräften zu. Durch Anerkennung und Lob fühlen sich Mitarbeiter gesehen, was wiederum zu einer hohen emotionalen Bindung führt.

Hierbei ist es jedoch wichtig, im Lob nicht allein die Leistung zu würdigen, sondern die Wertschätzung der Person mit in die Anerkennung einfließen zu lassen. Oftmals wird die Leistung unabhängig von den Umständen und der Persönlichkeit gelobt. Dieses Lob ist jedoch nicht nachhaltig, da sich hier der Mensch nicht als Person gesehen fühlt und somit emotional Bindung verliert. Erst mit Einbindung der Persönlichkeit in die Beurteilung entsteht die Einladung zur Weiterentwicklung.

Auf 75 % der Gründe, wegen der ein Mitarbeiter sein Unternehmen verlässt, hätte die direkte Führungskraft Einfluss nehmen und damit das Gehen verhindern können. Mitarbeiter entscheiden sich für ein Unternehmen und verlassen es wegen ihrer Führungskraft. Jeder zweite Mitarbeiter würde an seinen Arbeitsplatz bzw. in sein Unternehmen unter einer anderen Führungskraft zurückkehren.

Ich war über viele Jahre im Bereich der Unternehmensrestrukturierung tätig, hierbei stellte ich immer wieder fest, dass Führung und Führungskräfteentwicklung zu den am meisten unterschätzten Potentialen in Unternehmen gehört. Die meisten Mitarbeiter setzen Erfolg und Beförderung mit Führungsverantwortung gleich. So werden aus hervorragenden Fachleuten mittelklassige Führungskräfte. Führung, Umgangen mit Mitarbeitern, Arbeiten in Teams sind weder Inhalt einer Meisterausbildung noch eines technischen Studiums.

Wenn Unternehmen zukünftig mit ihren Mitarbeitern wachsen wollen, müssen sie ihre leitenden Mitarbeiter zu wirklichen Führungskräften und Mitarbeitercoaches entwickeln. Denn ihr Umgang entscheidet, ob Mitarbeiter innerlich kündigen oder mit Lust und Freude auf Arbeit kommen und auch sie den achtstündigen Arbeitstag als erfüllende Zeit erleben.

Agile Transformation

Fehler & Probleme

Am vorletzten Samstag kam ich am Rande eines Workshops mit einer jungen Frau ins Gespräch. Sie ist Mitarbeiterin in eines Hamburger Lebensmittelkonzern und wollte von mir gerne wissen woran es liegen könnte, dass die Einführung agiler Unternehmensstrukturen in ihrem Unternehmen nicht richtig funktioniert. Sie berichtete mir, dass im Unternehmen die Teams nun agil arbeiten sollen. Man hätte den Teams die agile Arbeitsweise erklärt und diese sollen sie nunmehr umsetzen.

Es würde jedoch nicht vorangehen und die meisten seien mit diesem Prozess sehr unzufrieden. Meine Fragen, ob auch die Führungskräfte geschult worden sein, die Mitarbeiter wissen, wo die Visionen und die Ziele des Unternehmens liegen, verneinte sie leider. Ich mache in den letzten Monaten immer häufiger die Erfahrung, dass in Unternehmen agile Werkzeuge angewendet werden und man der Meinung ist, dass damit eine agile Transformation im Unternehmen erfolgt ist. Leider ist dieser Ansatz ein Irrweg und nicht von langer Dauer.

Die Einführung von agilen Unternehmensstrukturen ist gewiss ein langer Weg, es reicht nicht aus, ein paar Teams agil umzustellen und zu glauben, dass dann alles besser wird. Ein bisschen agil, das geht nicht. Oft entsteht hier bei Mitarbeitern schon „verbrannte Erde“, welche die Bereitschaft für eine wirkliche Transformation extrem erschwert. Ich hoffe, dass zunehmend Unternehmer und Führungskräfte erkennen, dass Kundennähe, Verbesserung der Produktivität von Teams, Teammoral und Teammotivation nur durch die Veränderung des Mindsets und einem strukturierten Angehen des agilen Transformationsprozesses möglich ist.

Digitale Unternehmensentwicklung

Die Rolle von Influencern & Social Media

Wer kennt nicht den Satz: „Das verschwommen am Rande des Smartphones ist die Realität“. Aber das, was im Smartphone passiert und in sozialen Netzwerken gepostet wird, beeinflusst zunehmend das was in der „Realität“ der Nicht-Influencer passiert. So beeinflusst diese eine Vielzahl von Unternehmen. Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass ein hoher Zusammenhang zwischen Beliebtheit und Einflussreichtum des Einzelnen auf Teams besteht. Diese Beliebten werden in der Regel zu Meinungsführern und damit zu informellen Leadern. Influencer verfügen über eine hohe Medienkompetenz und arbeiten durch diese in zahlreichen Netzwerken als Meinungsführer.
Viele Unternehmen und Unternehmer verschließen immer noch die Augen vor dieser Entwicklung. Ich besuchte vor zwei Wochen einen Workshop, bei diesem sagte der Referent mehrfach den Satz “ Es gibt keinen schärferen Qualitätsrichter als das Internet.“
So sind die Berichte und Meinungen der Influencer in den sozialen Medien Trendverstärker von dem was in Unternehmen passiert und wie Unternehmen geführt werden. Herrscht im Unternehmen ein positives Klima, Aufbruch, der Wille zu Veränderung, so wird diese von den Influencern gespiegelt und multipliziert. Herrscht hingegen ein Klima von Angst, hierarchischen Strukturen, Problemen etc. wird auch dies verstärkt und gespiegelt. Dies zeigt sich nach Innen wie Außen. Kommunikation im Unternehmen erfolgt zunehmend über die sozialen Netzwerke. Vor allem aber auch die öffentliche Wahrnehmung und der Ruf des Unternehmens, wird in Zeiten des Fachkräftemangel und Personalsuche, zu einer grundlegenden Zukunftsfrage.
Was helfen teure Werbekampagnen und Jobmessen wenn die Unternehmenskultur krankt?